Templerforum - Das Forum des Templernetzwerkes
Darstellung => MA Szenen Templer / Templerreenactment => Thema gestartet von: Johannes vom Gollenstein am 14. April 2013, 12:26:08
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Es hat sich ja vielerorts eingebürgert, einen Feldalter in die Darstellung mit einzubeziehen.
Ich finde diese Idee wichtig und auch sehr schön. Wir haben eigentlich schon immer einen, und werden ihn auf jeden Fall behalten.
Allerdings stellen sich mir dabei einige Fragen:
-Ist so ein "Feldalter" historisch haltbar? Gab es sowas?
-Was gehört da drauf?
-Was "Geht gar nicht"?
-Stichwort Kreuz: ja oder nein? Mit Corpus oder ohne?
-Was ist dran an der These, bei Templern hätte man nur Kreuze ohne Corpus gefunden?
Sonst noch was???
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Schönes Thema,
also die frage ist, was du darstellen möchtest.
Wir stellen z.B. Eine Komturei im Abendland dar und haben eine
Kapelle.
Im heiligen Land waren Hauskapellen ebenfalls üblich. Als Ordenshaus-Darstellung eh unabdingbar.
Auf dem Feld wurde mit einfachen Mitteln versucht, den Gottesdienst abzuhalten.
Prinzipiell kann man nehmen was zur Verfügung steht.
Ein einfacher Tisch als Altar, mit oder ohne Tischdecke. Religiöse Gegenstände wie Kreuze oder eine Marienfigur
Sind auch ok. Benutzen was zur Verfügung steht.
Denk einfach logisch!
Du bist mit einer Pilgergruppe unterwegs: Alles sehr sehr schlicht.
Das ist eine Bußübung und die Pilgergruppen haben versucht möglichst jeden Abend eine feste Unterkunft wie ein Kloster zu finden. Wenig Gepäck.
Kreuzzugsdarstellung: Ruhig etwas protziger. Großes Kreuz, Tisch, schöne große Bibel, etc.
Da sollte ja auch der Gegner von der Festigkeit des Glaubens überzeugt werden ;-)
Kreuz: Bis 1200 waren Kreuze ohne Korpus verbreiteter als Symbol für die Auferstehung Christie.
Danach wurde das Kruzifix (mit Korpus in der 3 Nägel und 4 Nägel Version wobei sich nach und nach die 3 Nägel Version durchsetzte) immer häufiger.
In den meisten Templer Burgen und Kirchen kann man das leere Kreuz sehen für den auferstandenen Christus.
Ein kleines reliquilar ist auch denkbar.
Ich würde eucharistische Gegenstände wie Kelch Monstranz und hostienschale weglassen. Einfach aus Prinzip.
Die Eucharistie darzustellen geht einfach zu weit und um Missverständnisse zu vermeiden einfach direkt weglassen.
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Danke Randolf, so etwa in die Richtung gehen meine Ansätze auch.
Eine richtige "Kapelle" wäre natürlich klasse, aber das kriegen wir logistisch nicht gebacken. Die ganzen Sachen müssen ja auch irgendwie mitreisen. ;)
Was mich jetzt etwas nachdenklich macht: die Bibel
Einerseits braucht man sie für die Lesungen.
Andererseits waren solche Bücher in der Zeit ja auch sehr kostbar, ob man die tatsächlich mitgeschleppt hat?
Eucharistische Gegenstände scheiden aus, ganz klare Sache!
Da gibt es kein Pardon, davon muss man die Finger lassen.
Wem wäre der Vorzug zu geben? Einem Kruzifix oder einer Marienfigur? Oder beides zusammen?
Ein Reliquiar ist eine gute Idee! Letztens wurde in einer (recht guten) Doku erzählt, dass ein Mönch auf Reisen ein Reliquiar in Schachtelform als "Ersatzalter" benutzt hat, um davor zu beten (Komme jetzt nicht mehr drauf, wer genau das war. Bekannter Mensch jedenfalls). Sehr praktisch.
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Ursprünglich war jeder Altar auch ein reliquilar.
Das Kreuz halte ich schon für wichtig, die Marienstatue dabei.
Frage: Macht bei euch jemand fest die Rolle des Kaplan ? Wenn ja, dann Bibel oder zumindest das neue Testament.
Kein Kaplan: keine Bibel. Die Ritter- und dienenden Brüder hielten keine Messen ab sondern hatten in der Regel eine Anweisung für welche Hore welche Anzahl an Pater Noster gebetet wurden.
Eigentlich recht Simpel. Ohne Kaplan reicht ein kleiner "Altar" mit Kreuz und Kerze.
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Also wir haben einen "festen Kaplan" der sich für das Thema interessiert und es mit Leben füllt.
Unser Altar ist (finde ich) recht schlicht aber sehr gelungen; eine einfache weiße Decke und ein schlichtes mittelgroßes Holzkreuz ohne Jesus.
Zwei Kerzen runden das ganze ab.
Wenn ich zugegen bin, habe ich in der regel meine handgebundene Ordensregel dabei, die ich dann gerne dazulege.
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Wer es denn etwas aufwändiger mag:
Hier einige Impresssionen von der IG Wolf (Ende 12. Jh.):
https://plus.google.com/photos/112826522366266440655/albums/5747889375515885281/5747889420383773538?banner=pwa
https://plus.google.com/photos/112826522366266440655/albums/5747889375515885281/5747889449471613362?banner=pwa
https://plus.google.com/photos/112826522366266440655/albums/5747889375515885281/5747889456513965330?banner=pwa
https://plus.google.com/photos/112826522366266440655/albums/5747889375515885281/5747889574980696194?banner=pwa
;D
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Whow!!!
Für ein armes Komtureichen wie unseres aber doch etwas zu prunkvoll. ;)
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Das sieht wirklich beeindruckend aus. Ist diese neckisch an der Seite herunterhängende Kragenborte bei dem Herrn in schwarz irgendwie belegt? Der Bischofsornat soll bestimmt etwas Östliches sein, oder? Diese Y-förmigen Stolen (?) habe ich bisher nur da gesehen.
Aber schon wieder steckt einer sein Schwert mit dem Ort in den Boden! Blasphemie!
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Das ist unser Feldaltar beim Schlossbergspektakel in Dillenburg beim 2. Lazaruskonzil 2012
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Hier ist ein Foto von unserem Altar, hier allerdings nicht vollständig. Reiche ich nach ! ;-)
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Beide sehr schön! Schlicht, aber wirkungsvoll!
@Randolf
Die Decke ist ja mal genial! Wer hat die gemacht? Handarbeit?
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Ein wundervolles Thema.
Leider kommt der Glaube der Brüder oftmals zu kurz in der Darstellung.
Nicht nur in der Felddarstellung, sondern auch in unserer Darstellung überhaupt. Mir passiert das ebenfalls oft, dass ich diesen Punkt übersehe und nicht mit der nötigen Wichtigkeit umsetze.
Es gab ja schließlich nicht nur den militanten Ritter und Kriegsherrn, nicht nur den den Soldaten Gottes, sondern vor allem auch den Diener Gottes, den tiefgläubigen Menschen.
Nicht nur die Teilnehmer der Kreuzzüge im heiligen Land, sondern auch die vielen Menschen, die in der Heimat fern vom Kampf gegen die Ungläubigen im Wirtschaftsgut oder der Komthurei eingesetzt waren und ihren ganz normalen Tagesablauf nachgingen. Und der bestand ja genauso aus der täglichen Arbeit an und für Gott, dem Zwiegespräch im Gebet und dem seelischen Rückzug in Fürbitte und Andacht. Und so besteht unsere Darstellung auch genauso aus der Wiedergabe des Gottesdieners.
Wenn ihr dies auf euren Lagern umsetzt, finde ich das hervorragend.
Die Feldaltare sehen fantastisch aus. Sehr angenehm schlicht teilweise, vor allem der Altar von eurer Komthurei Bruder Randolf. Die Decke ist wirklich fantastisch. Ich hab ein klein wenig Zweifel, dass aufgrund der wenigen belesenen Brüder früher oft ein Schriftzug auf so einer Altardecke enthalten war, gerade auch wegen der von euch erwähnten Einfachheit im Felde, aber optisch ist das natürlich ganz toll. Ich hoffe ich werde den mal live sehen können :)
Pax
Stefan von Dachau
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Den Schriftzug würde ich auch bei unbelesenen Brüdern als unproblematisch erachten, denn es musste ja nur derjenige lesen können, der die Vorlage gezeichnet hat. Ob allerdings die Schriftart so belegt ist, ist eine andere Frage; und barocke Holzfiguren gab es vermutlich auch noch nicht. ;)
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Hach ja Cornelius, was soll ich sagen ......... Wir möchten dem Besucher auch gerne ein Bild liefern welches ihm gefällt und das er versteht.
Ich glaube die DIN-Norm für Schriften und und Marienschnitzereien war da noch nicht eingeführt :-P
Außerdem: die Zelte waren nicht so wie wir sie auf den Märkten haben ( außer du hast eine selbstgewebte, handgenähte Leinen-Version), die Märkte und Lager gab es in dieser Art nicht, .......... Wo fängt man da an und wo hört man da auf ?? Bei den Tischen ?? Beim Geschirr ??
Man muss die Kirche auch mal im Dorf lassen. Außerdem kann ich mich nicht entsinnen, diesen Altar als Referenz benannt zu haben.
Ich glaube, "Kein Altar" ist schlimmer als ein Altar an dem einige Dinge nicht der Zeit entsprechen ;-)
Ich hab immer mindestens eine kleine "Andachts-Ecke" auch in meinem Zelt.
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Randolf, das unterschreibe ich jetzt mal genau so!
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Hach ja Cornelius, was soll ich sagen ......... Wir möchten dem Besucher auch gerne ein Bild liefern welches ihm gefällt und das er versteht.
Das wiederum öffnet ja dem Klischee-Grobmittelalter Tür und Tor. Aber ganz davon abgesehen habe ich das nicht als vernichtende Kritik vorbringen wollen, sondern als kleine Anmerkung zu Stefans Beitrag. Ich kenne es nur aus meiner eigenen Bastelgeschichte, dass man endlos viel Zeug "irgendwie" gemacht hat, nur um hinterher zu merken, dass einem die Quellen widersprechen bzw. andere Lösungswege bieten. Deswegen bin ich inzwischen so weit, mir wirklich nur noch das zu besorgen, was wirklich so wasserdicht belegt wie möglich ist.
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Ja, da könnte man jetzt eine seitenlange Diskussion vom Zaun brechen........
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@ Randolf
[Ja, da könnte man jetzt eine seitenlange Diskussion vom Zaun brechen......../quote]
Dann Mal los, von solchen Diskussionen lebt doch ein Forum... ;D
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Bevor ihr Euch in endlose Diskussionen stürzt;
stürzt Euch doch mal auf Quellensuche?!
Erster Treffer bei Google 8ohne jetzt einschlägige Mediavistenseiten zu konsultieren)
Silbervergoldeter Feldaltar eines Großkomturs des Deutschen Ordens:
(http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/2d/Feldaltar_MK1888.png)
Sowas belebt auch das Forum... 8)
Viele Grüße
Daniel
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Tolles Bild!
Verstehe ich das jetzt richtig, war das ein "Klappaltar" sozusagen?
Wie ist das eigentlich mit Kerzen???
Was passt?
Welche Kerzenständer?
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Das ist ein Altarbild welches hinter den Tisch gestellt wird oder darauf.
Dieses gute Stück ist aus dem 14.Jhdt.
Es gibt auch noch einige Kirchenaltäre die man sich auch zum Vorbild nehmen kann.
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Ich weis nicht ob das hier mit reingehört aber ich hatte mal ne Reiseikone. Die konnte man wie ein Typtrichon aufklappen, die war nicht grösser als ein Handy.
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So eins hab ich auch. Aber irgendwie beschleicht mich immer der Verdacht "Passt nicht"... ???
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@Johannes
Ich glaube damit liegst Du absolut richtig. Es sei denn Du hast eindeutige Belege! ;)
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-Rauskram-
Unser Feldaltar hat eine leichte Umgestaltung hinter sich, hier ist das Ergebnis:
Bienenwachskerzen, handgezogen (die Ständer sind suboptimal, aber ich finde sie noch akzeptabel)
Paternosterkette aus Holzperlen mit Leinenquasten
Pilgermuschel (gut darüber kann man streiten, aber wir wohnen schließlich am Jakobsweg...)
Reliquiar (für unsere Visitenkarten ;) )
Beim Kreuz hab ich mich für die Variante mit Corpus entschieden. Eigentlich wollte ich eins ohne, aber ich konnte keins finden, dass mir gefallen hat.
Alternativ reist statt des Kreuzes ab und an unsere Maria mit.
Ich bitte um Manöverkritik!
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Lustig - das Reliquienkästchen habe ich auch... ;D
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bis auf das kreuz mit korpus ist es in ordnung, aber vielleicht findet ihr noch eins ohne korpus.
So ist das ganz in ordnung
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bis auf das kreuz mit korpus ist es in ordnung, aber vielleicht findet ihr noch eins ohne korpus.
So ist das ganz in ordnung
Schlicht, einfach und ergreifend - was wäre damit? http://www.ebay.de/itm/Standkreuz-auf-Sockel-19cm-/261196610363?pt=Volkskunst&hash=item3cd087fb3b
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Oh, danke für den Hinweis! Habe mir gleich eines gekauft...
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Das zum link sieht wirklich hübsch aus...
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Gibt´s wohl in unterschiedlichen Größen, bis 40 cm.
Und nein, ich habe keinen Promotion-Vertrag dafür... ;D
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bis auf das kreuz mit korpus ist es in ordnung, aber vielleicht findet ihr noch eins ohne korpus.
So ist das ganz in ordnung
warum soll das kreuz ohne korpus sein? kreuze mit korpus sind seit spätestens 970 belegt
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warum soll das kreuz ohne korpus sein? kreuze mit korpus sind seit spätestens 970 belegt
Da habe ich letztes Jahr noch eine Vorlesung in Köln zu gehört.
Um diese Frage zu klären muss man einen Blick auf das christliche Gedankengut werfen:
Das Kruzifix (Kreuz mit Jesusfigur) ist schon seit dem 2. Jhdt zu finden. Meistens mit 4 Nägeln da Jesus mit Parallelen Beinen und häufig an einem T-Kreuz hängend dargestellt wird, z.B. auf Fresken, Mosaiken etc.
Das Kruzifix im Kölner Dom war von 980 ca.
Danach wird meistens das leere Kreuz als Symbol für den auferstandenen Christus dargestellt.
Es soll an Christie's Himmelfahrt und sein Versprechen, die die an ihn Glauben nach dem Tod zu sich zu holen erinnern.
Ab 1200 mehrt sich das Bild der Leiden Jesu und das Kruzifix und die Kreuzigungsgruppen werden wieder häufiger.
Das sollte die Kreuzfahrer und die in Machtkämpfen zerstrittenen Adeligen an die Leiden Jesu erinnern die er für das Heil und die Rettung aller auf sich genommen hat ..........
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Danke, Randolf, für die Ausführungen. Interessant!
Demzufolge wäre ja wohl beides korrekt, mit und ohne Korpus. Oder zumindest denkbar.
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Das sieht wirklich beeindruckend aus. Ist diese neckisch an der Seite herunterhängende Kragenborte bei dem Herrn in schwarz irgendwie belegt? Der Bischofsornat soll bestimmt etwas Östliches sein, oder? Diese Y-förmigen Stolen (?) habe ich bisher nur da gesehen.
die "Kragenborte" ist ein Pallium, das von Metropolitbischöfen der Lateinischen Kirche innerhalb der eigenen Diözese getragen wird, noch heute. Papst Benedikt zum Beispiel trug gerne die lange, gotische Form des Palliums. insgesamt ist das Messgewand dieses Bischofsdarstellers sehr gelungen und entspricht, soweit ich es sehen kann, recht exakt zahlreichen historischen Darstellungen und erhaltenen gewändern. Es passt auch stilistisch in die Zeit der Templer, besser in die spätere als in die frühe.
Was den altar angeht: denkt bitte immer daran, dass ein Altar ein Opfertisch ist. Dinge, die weder geopfert werden noch ein Opfer symbolisieren gehören da nicht drauf sondern allenfalls daneben. Opfergaben wie Kerzen, Blumen, Weihrauch(nur bei Sakramenten), Euchiaristische gaben; dann Opfersymbole wie das Kreuz mit oder ohne Korpus, Reliquienbehälter und die Schrift sind OK, ein marienbild finde ich schon kritisch, alles andere passt meiner ansicht nach nicht. Generell denke ich beim Altar weniger ist mehr.
Ein Tischtuch halte ich bei einem Altar für unverzichtbar, ein antependium (verziertes Tuch, das vorn davor gehängt wird) ist schön aber nicht zwingend notwendig. Ein Retabel (Bild, das hinter dem Tisch, daher re tabel, aufgestellt wird, ist ebenso optional.
Im Übrigen braucht es für Stundengebete, Andachten und selbst Wortgottesdienste keinen Altar. der altar wird nur für die eigentliche Messe, also den Gottesdienst mit Euchiaristie (mit oder ohne Kommunion) benötigt. Wenn man also ohne Geistlichen unterwegs ist, braucht man auch keinen Altar. Nett wäre ein Kreuz, das sozusagen die gebetsrichtung angiebt, aber selbst das ist optional.
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Bin auch gerade dabei einen Feldaltar zu errichten.
Nach meinen bisherigen Nachforschungen besteht die Altardecke aus einer weißen, nicht gemusterden Leinendecke.
Diese hängt vorne eine Handbreit über und an den Seiten bis zu 2/3.
Erste Frage dazu, die oben erwähnte Altardecke bezieht sich auf die kirche, kann ich sie für die Templer übernehmen?
Wie sieht das Altarantependium für den Templer Orden aus?
In der Kirche gab es je nach Feiertage und Zeit unterschiedliche Farben, auch war Schrift verpöhnt.
Könnt ihr mir weiterhelfen?
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Hm... ich weiß nicht, ob es lithurgische Farben im heutigen Sinne damals schon gab. Oder besser: ob sie in der heutigen Form Verwendung fanden.
Überhaupt ist das mit dem Feldaltar so eine Sache, da würde ja oben schon diskutiert.
Ein weißes Leinentuch ist immer gut, möglichst neutral.
Lithurgische Farben würde ich lassen.
Ein einfaches Holzkreuz, vllt. eine Paternosterschnur und ggf. zwei Kerzen, viel mehr braucht es eigentlich nicht.
Ich tendiere eher zu schlicht, der musste ja transportabel sein.
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Alexander, der Kaplan meines Hauses, macht einen Kompromiss:
Er nutzt als Feldaltar seine Horenkiste, in der er sein liturgisches Werkzeug aufbewahrt. So spart er Transportkosten und hat alles beisammen.
Wenn er dies liest, stellt er vielleicht auch Bilder ein...
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Richtig, so mache ich das auch: Meine "liturgische Kiste" wird als Feldaltar benutzt. So ist alles gleich reisefertig oder aufbaufertig vor Ort.
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Oh, ich kann leider nichts beitragen, weder habe ich Fotos, noch kann ich die aufgeworfenen Fragen fundiert beantworten :-\
Der von mir aufgebaute Altar war, wie Bruder Eusebius bereits schrieb, von mir in der Tat zur Angabe der Gebetsrichtung gedacht (weitergehende Darstellung im Zuge der Darstellung des Sakraments der Eucharistie ginge mir zu weit) und anfangs als äußerliches "Gegengewicht" zum optisch meist sehr "militaristischen" Feldlager. Ersteres verstehen nämlich fast alle Darsteller ganz automatisch und stellen sich davor auf oder (wie im Chorgestühl zu Hause :P) gegenüber: Weißes Tischtuch ohne Zierde, Eichenholzkreuz (Höhe ca. 30cm) ohne Korpus auf kleinem Podest, Kerzen, fertig. Auf den ersten Blick also durchaus vergleichbar mit dem vorgestellten Altar des Bruders Johannes.
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Ich denke, das reicht auch voll und ganz aus. Der Alter erfüllt seinen Zweck, und viel mehr Zierrat wäre m. E. eher unangebracht auf Reisen.
Altargerät für die Eucharisthie kann man getrost vergessen, da habe ich ganz klare und fest definierte Vorstellungen:
Finger weg von sakramentalen Handlungen (wie eben der Eucharisthie)!!!
Das hat nichts mehr mit Darstellung zu tun und sollte unbedingt entsprechenden Ämtern vorbehalten bleiben!
Da gibt's auch keine Kompromisse!
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Hätte man dafür überhaupt genug Quellen, um den liturgischen Ablauf (für bestimmte Regionen und Zeiten etc.) einigermaßen rekonstruieren zu können? Nachstellen (d. h. "re-enactment" betreiben) könnte man es ja trotzdem, sofern klar ist, dass es sich eben um eine Nachstellung handelt. Sonst könnte man ja auch argumentieren, das Nachstellen von Kampfhandlungen sei zu krass (und entsprechenden Fachleuten zu überlassen, könnte man sich auch wünschen...). Aber damit wären wir schon wieder bei der Frage, ob man das ganze als geschichtsinteressiertes Hobby oder Teil des persönlichen Selbst- und Weltbildes auffasst...
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Für mich bzw. uns ist eine Andacht mehr als reines "Nachstellen", sondern schon auch gelebter Glaube.
Natürlich bleibt es jedem selber überlassen, wie er mit der Thematik umgehen möchte. Nimmt man es als reines Reenactment, wäre auch das Nachstellen einer historisch korrekten Messe mit allen Facetten denkbar. Rekonstruierbar wäre das sicherlich, entsprechende Recherche-Kenntnisse vorausgesetzt.
Aber das sind keine Geschichten für den "Durchschnitts-Marktfahrer/besucher", von daher würde ich hier grundsätzlich zur Vorsicht raten und lieber mal einen Schritt zurück nehmen, als sich richtig böse in die Nesseln setzen. Kirchenvertreter sind in solchen Dingen nämlich oft relativ unentspannt...
Eine Gratwanderung bleibt das Hobby eh in vielen Sparten...
Aber wir schweifen ab...
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@ Cornelius: Das hängt natürlich davon ab was genau man nachstellen möchte. Generell würde ich aber sagen, dass Liturgie etwas ist, dass quellentechnisch vergleichsweise gut ausgeleuchtet ist, und man sogar mit sehr hohem Detailgrad nachstellen könnte.
Natürlich kann man da Fehler nicht völlig auschließen, und man müsste Quellen vergleichen und ergänzen und kompromissbereit sein.
Dann wiederrum ist es natürlich immer wieder die Frage welchen Maßstab man ansetzt.
Denn genau genommen dürfte man Krieg, d.h. allgemein Kämpfe und vor allem Schlachten im Mittelalter eigentlich auch überhaupt nicht nachstellen, wenn man sich anschaut, wie gut da die Durchführung quellentechnisch erschlossen ist - nämlich so gut wie gar nicht! Jedenfalls hatte ich vor kurzem noch eine recht aktuelle Monographie in der Hand, die zu diesem Schluss gekommen ist.
Da die Ordensliturgie ja generell vereinheitlicht ist, hat man, glaube ich zumindest momentan, gute Chancen auf etwas zu kommen, was der damaligen Realität zumindest sehr nahe kommt. Natürlich immer davon ausgehend, dass die sich damals auch an ihre eigenen Regeln gehalten haben, aber da sind wir ja wieder bei der Frage des Maßstabes und dem Bereich des Möglichen. Regionale Abweichungen gibt es natürlich, das dann festzumachen dürfte aber ein Riesenaufwand sein.
So schon ist die Beschäftigung mit dem Thema, finde ich, eh schon eine gewaltige Aufgabe, weil man da in der historischen Darstellung sozusagen auf recht unbekanntem Terrain ist und das sowohl recherchetechnisch als auch oranisatorisch, sagen wir, fordernd ist.
Tl,DR: Um deine Frage kurz zu beantworten: Es gibt Lastwagenweise Breviers, Missale etc. aus dem Mittelalter, das ist nicht das Problem. Das Problem ist Auswertung und Umsetzung
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Ah, wunderbar, sowas wollte ich hören – wobei ich mal annehme, dass die meisten Untersuchungen zum Thema auch eher weniger aus einer alltagsgeschichtlichen Perspektive geführt wurden. Aber bevor wir weiter abschweifen noch kurz eine Sache:
Denn genau genommen dürfte man Krieg, d.h. allgemein Kämpfe und vor allem Schlachten im Mittelalter eigentlich auch überhaupt nicht nachstellen, wenn man sich anschaut, wie gut da die Durchführung quellentechnisch erschlossen ist - nämlich so gut wie gar nicht! Jedenfalls hatte ich vor kurzem noch eine recht aktuelle Monographie in der Hand, die zu diesem Schluss gekommen ist.
Das würde mich interessieren, kannst du mir bitte die Daten per PN schicken? Zumindest was Zweikämpfe angeht, hat sich in den letzten Jahren ja einiges getan, selbst wenn da nicht alles in der breiten Reenactment-Szene angekommen ist.