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Darstellung => MA Szenen Templer / Templerreenactment => Thema gestartet von: Deutschherrenritter am 09. August 2007, 08:49:04

Titel: Haarpracht und Haartracht.......
Beitrag von: Deutschherrenritter am 09. August 2007, 08:49:04
pax -

ich hätte gerne gewußt, wie es mit den Frisuren und der Art den Bart zu tragen um 1200 ausgesehen hat........
Titel: Haarpracht und Haartracht.......
Beitrag von: Albero am 09. August 2007, 10:43:37
Zitat
Original von Deutschherrenritter
ich hätte gerne gewußt, wie es mit den Frisuren und der Art den Bart zu tragen um 1200 ausgesehen hat........

Unabhängig davon, wie die Mode zu der Zeit bei anderen Bevölkerungsgruppen war, galt für Templer gemäß der Ordensregel:
Zitat
Ordensregel 28
Alle Ordensbrüder sollen grundsätzlich die Haare so geschnitten haben, daß sie von vorn und von hinten regelrecht und ordentlich anzuschauen sind. Auch beim Voll- und Backenbart soll diese Regel unabänderlich beobachtet werden, damit kein Wildwuchs oder Mangel an Anmut dort bemerkt werde. Denen, die dem höchsten Schöpfer dienen, ist die innere wie äußerliche Reinheit sehr nötig nach dem Zeugnis dessen selbst, der sagt: "Seid rein" (Jes 1,16), weil "ich rein bin" (Hiob 33,9).

Frauen konnten ihre Haare zu der Zeit tragen wie sie wollten. Hauptsache, sie waren unter einem Gebände oder einem Kopftuch vollständig verborgen.
Titel: Haarpracht und Haartracht.......
Beitrag von: Ralph zur Starkenburg am 09. August 2007, 10:50:44
Mit dem Gebände oder Kopftuch galt soweit ich weiss aber nur für verheiratete Frauen oder?
Titel: Haarpracht und Haartracht.......
Beitrag von: Benedikt von Söllbach am 09. August 2007, 11:33:41
Wenn man sich die erhaltenen Abbildungen von Tempelbrüdern ansieht, sind die Haare recht Kurz, bis etwa zu den Ohren geschnitten. Allerdings nicht geschoren, sondern es war schon Haar vorhanden.
Ich denke die Abbildung der Schach speilenden Templer kann diesbezüglich auch für 1200 benutzt werden.
Titel: Haarpracht und Haartracht.......
Beitrag von: Deutschherrenritter am 09. August 2007, 12:21:53
pax -

danke erstmal -

man liest ja immer wieder mal über die - eher mangelnden - reinheitsgewohnheiten im mittelalter.




wenn man nun die ordensregel 28 hernimmt

Zitat
Denen, die dem höchsten Schöpfer dienen, ist die innere wie äußerliche Reinheit sehr nötig nach dem Zeugnis dessen selbst, der sagt: "Seid rein" (Jes 1,16), weil "ich rein bin" (Hiob 33,9).
,

 dann müsste der körperpflege ja wohl eine - der damaligen zeit eher übermäßige - bedeutung zugekommen sein ?!
Titel: Haarpracht und Haartracht.......
Beitrag von: Benedikt von Söllbach am 09. August 2007, 12:41:10
Nein, denn der ganze Artikel 28 bezieht sich nur auf die Haare.
Baden ohne Erlaubnis war sogar unter Strafe verboten.
Titel: Haarpracht und Haartracht.......
Beitrag von: Deutschherrenritter am 09. August 2007, 12:42:42
aber wie läßt sich das dann auf diese stelle umlegen ?

Zitat
ist die innere wie äußerliche Reinheit sehr nötig nach dem Zeugnis dessen selbst, der sagt: "Seid rein" (Jes 1,16), weil "ich rein bin" (Hiob 33,9).
Titel: Haarpracht und Haartracht.......
Beitrag von: Benedikt von Söllbach am 09. August 2007, 12:45:49
Die innere Reinheit bezeichnet die Reinheit des Glaubens und des Geistes.
Die äußerliche Reinheit bezeichnet das, was in dem Artikel bereits gesagt wurde, nämlich, dass die Haare ordentlich sein sollen.
Titel: Haarpracht und Haartracht.......
Beitrag von: Deutschherrenritter am 09. August 2007, 12:51:13
Zitat
Die innere Reinheit bezeichnet die Reinheit des Glaubens und des Geistes.
das ist klar !

Zitat
Die äußerliche Reinheit bezeichnet das, was in dem Artikel bereits gesagt wurde, nämlich, dass die Haare ordentlich sein sollen.
das wäre mir persönlich einfach zu spartanisch  *pfeifl*

gibt es aufzeichnungen wie oft im jahr die brüder baden "durften" ???
Titel: Haarpracht und Haartracht.......
Beitrag von: Benedikt von Söllbach am 09. August 2007, 12:54:39
Spartanisch? Nur aus heutiger Sichtweise.

Nicht vergessen, dass es sich um die "armen Ritter Christi" handelte. Dazu kommt, dass Hygiene im Mittelalter anders verstanden wurde als heute. Dazu kommt gerade für einen Mönchsorden, dass Waschen die sündigen Körperstelen freilegt und diese auch noch berührt werden mussten, was leicht verführt! Nicht umsonst wurde das Leibhemd stets (auch nachts) gegürtet getragen und auch beim schlafen nicht abgelegt.
Titel: Haarpracht und Haartracht.......
Beitrag von: Benedikt von Söllbach am 09. August 2007, 12:55:27
Aufzeichnungn sind mir nicht bekannt, ich habe aber in dieser Richtung nicht recherchiert.
Titel: Haarpracht und Haartracht.......
Beitrag von: Ralph zur Starkenburg am 09. August 2007, 13:01:52
Stimmt, unhygienisch zu sein galt im Mittelalter sogar als "besonders heilig". Wenn ich da so recht drüber nachdenke hatte ich dann sogar mal einen ganz besonders heiligen Arbeitskollegen *grins*.
Titel: Haarpracht und Haartracht.......
Beitrag von: Deutschherrenritter am 09. August 2007, 14:12:00
.....hmmm auf der anderen seite wäre aber entgegen zu halten, daß mangelnde hygiene die gesundheit beeinträchtigte und den nährboden für so manche krankheit darstellte.....

wäre also in dieser hinsicht nicht ein bad hin und wieder (ohne "spielereien" ) angebracht gewesen ?

und auf .......
dass Waschen die sündigen Körperstelen freilegt und diese auch noch berührt werden mussten, was leicht verführt! .....
zurückzukommen - wie haben die brüder ihre notdurft verrichtet ? hast du schon mal versucht wasser zu lassen ohne dein gemächt zu berühren ?!

ist zwar ein thema das etwas anrüchig erscheint aber die damals gängige methode ist sicher nicht uninteressant. .......
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Beitrag von: Benedikt von Söllbach am 09. August 2007, 14:19:16
Zitat
.....hmmm auf der anderen seite wäre aber entgegen zu halten, daß mangelnde hygiene die gesundheit beeinträchtigte und den nährboden für so manche krankheit darstellte.....
Diese, uns heute bekannte Kausalkette war "damals" meines Wissens nicht bekannt bzw. nicht weit verbreitet, zumindest nicht in normalen Haushalten. Soweit ich mich erinnern kann, waren aber die Lazarette schon recht hygienisch eingerichtet, ich glaube mich sogar an das Händewaschen vor OPs zu erinnern.
Aber sicher bin ich mir da jetzt nicht ;)

Wegen dem Wasserlassen: Klar geht das, sogar ohne Probleme ;) (bis aufs Abschütteln natürlich)
Aber im Ernst: Natürlich wäre ein Bad hier und da angebracht. Ich bin mir auch sicher, dass das Baden regelmäßig befohlen wurde.
Aber das tut nichts zur Interpretation obigen Artikels zur Sache, oder? Aus dem Kontext geht eindeutig hervor, dass die Haare gemeint sind.
Titel: Haarpracht und Haartracht.......
Beitrag von: Deutschherrenritter am 09. August 2007, 14:21:06
klar - hygiene im mittelalter wäre aber ein thema für einen neuen thread .........
Titel: Haarpracht und Haartracht.......
Beitrag von: Isobel am 09. August 2007, 14:23:16
Also die Hydiene wurde im Mittelalter schon "Groß" geschrieben, das "stinkende" MA kam erst im 15.-16. Jahrhundert, da wurde gepudert, und eingeduftet. Man glaubte nämlich, dass durch das viele Waschen der natürliche Fettfilm der Haut flöten geht

Hier mal ein Text über das Baden.


Das Baden
Eine andere städtische Einrichtung gab es noch, die im Leben der Bürger einen wichtigen Platz einnahm, und dem Vergnügen als der Hygiene diente: Das Badehaus. Badestuben wurden schon im 13. Jahrhundert in allen Städten benutzt, wahrscheinlich auch in den größeren Dörfern. Arme gossen sich mit warmem Wasser ab, Reiche ließen sich vom Bader in tiefen, bottichartigen Wannen mit Lauge abreiben. Auf das Reinigungsbad folgte meist noch eine Art Schwitzbad: auf heiße Steine wurde Wasser gegossen und dadurch so dichter Dampf erzeugt, daß der Badende bald in Schweiß kam; dann wurde er nochmals vom Bader abgegossen. Essen und Trinken, Mädchen und Musik gaben diesen Badestuben immer mehr den Charakter von Vergnügungsorten, und schon früh führte die Geistlichkeit einen heftigen Kampf gegen die Auswüchse des Badelebens. Erst im 15. Jahrhundert fand eine Trennung in Männer- und Frauenbadanstalten statt. Wie sehr aber das Bedürfnis nach dem Reinigungsbad auch unter den niedrigen Ständen ausgeprägt war, zeigt die Sitte, daß für kleine Dienste und Hilfeleistungen oft ein sogenanntes Badegeld verabreicht wurde. Aus allen mittelalterlichen und späteren Vorschriften und Beschreibungen gewinnt man den Eindruck, daß der mittelalterliche Mensch mehr auf Sauberkeit und Körperpflege gab als die Menschen des 16. und 17. Jahrhunderts.
Titel: Haarpracht und Haartracht.......
Beitrag von: Benedikt von Söllbach am 09. August 2007, 15:49:30
Danke für diese Zusammenfassung!
[edit:] rest im andern Post: http://templerforum.de/thread.php?postid=35233
Titel: Haarpracht und Haartracht.......
Beitrag von: Albero am 09. August 2007, 17:09:38
Zitat
Original von Benedikt von Söllbach
Die innere Reinheit bezeichnet die Reinheit des Glaubens und des Geistes.
Die äußerliche Reinheit bezeichnet das, was in dem Artikel bereits gesagt wurde, nämlich, dass die Haare ordentlich sein sollen.
Nun ja, im Mittelalter war man schon recht reinlich. Zumindest im Vergleich zu späteren Jahrhunderten der Renaissance, als man es als unschicklich ansah, sich der Körperhygiene hinzugeben und stattdessen lieber zu Parfum und Puder griff.
Titel: Haarpracht und Haartracht.......
Beitrag von: Deutschherrenritter am 09. August 2007, 17:14:13
was benedikt erklärt hat sind die ordensregeln und gepflogenheiten der tempelherren bzw.der mönche!