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Mittelalter => Mittelalterliche Rezepte => Thema gestartet von: Lazarus v. Akkon am 13. August 2006, 10:31:37
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Hi
Ich habe mir neulich mal gedacht.
Back doch mal nen Kuchen fürs lager,nur mit den damals zur Verfügung stehenden Zutaten.
Also Mehl war klar.
Honig statt Zucker geht ja auch.
Butter gabs.
Aber welche Arten der Teiglockerung ?
Backpulver ,Hirschhornsalz und Pottasche sind chemische Erfindungen der Neuzeit.
Hefe wird erstmalig im 16ten jahrhundert erwähnt.
Was bleibt also ?
Gabs im Frü oder Hochmittelalter keinen Kuchen?
mfg
Lazarus von Akkon
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ich denke, kuchen gab es sicher (z.b: pfannkuchen?). aber nicht so wie heute...
was passiert denn eigentlich, wenn man nen kuchen ohne backpulver macht? *nochnieausprobierthab* und wenn man statt mehl auch noch stärke nimmt? macht das den teig nicht etwas lockerer?
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Zitat aus dem Forum "www.frag-mutti.de"
"Gerade so richtig schön beim Backen und dan plötzlich merken, dass man kein Backpulver mehr hat? Kein Problem:
Alkohol treibt den Teig genauso gut. Man gebe bis zu vier Esslöffel Rum in den Teig."
Darüber hinaus soll der Stollen germanischen Ursprungs sein. Somit nehme ich an, daß bei Kuchen hauptsächlich Hefeteig zur Anwendung kam.
Da Sauerteig bereits in der Bibel (z.B 1.Korinther 5) bekannt war, ist auch der Einsatz von gesüßtem Brot denkbar.
Im Mittelalter fanden Natron und Pottasche bereits in der Glasherstellung Verwendung, also warum, dann nicht beim Backen.
Gruß
Richard
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Erstaunlich darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht....
deshalb habe ich mir meine MA-Kochbücher rausgeholt und Tatsache, alle Kuchen die es dort gibt sind Pies! Also Mürbeteigformen, die mit irgeneiner, meist mir Eiweiß gelockerten Masse gefüllt sind! Der Teig selbst besteht also nur aus Butter, Mehl und Honig/Zucker!
Dennoch glaube ich mich erinnern zu können, daß Peter Lutz in seinem Buch "Herrenspeis und Bauernspeis" bereits Krapfen mit Hefe zubereitet (leider hab ich das gerade verliehen und kann das also nicht verifizieren)
Jedoch weiß ich, daß es Zucker (Rohrzucker) bereits gab, er wurde aus Sizilien oder Andalusien importiert, trotzdem war er wohl zu teuer um ihn einfach so zu verbacken! Im Gegensatz zur landläufigen Meinung (Cuba=Zuckerrohr=Zucker ist in Amerika oder Karibik heimisch) kommt Zuckerrohr nämlich aus Asien und später Europa! Auch hat man Rohrzucker eher zu medizinischen Zwecken verwendet.
Also, raus aus den Kuchen, wenn man es genau nehmen will!
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Auf der Site von http://www.nordzucker.de ist die Geschichte des Zuckers beschrieben.
Dort heißt es zu 1205 Zitat:
"In Deutschland verbreitet erst die Liebeslyrik der Minnesänger allmählich die Kunde vom süßen Stoff."
Es war jedoch bis vor 200 Jahren wohl ein Privileg der Reichen.
Meist wurde Honig genommen- zum Beispiel für Honigkuchen.
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...da bleibt für mich imernoch das Problem, daß Honig aufgrund der enthaltenen Enzyme manchmal ganz schön wilde Sachen mit meinen Zuckerbäckereien anstellt!
Sobald er erhitzt wird verflüchtigt sich das Problem, aber ich habe schon so manche flüssig gewordene Quarkcreme o.ä. aus dem Kühlschrank gezogen und den Honig verflucht!
Im Zweifelsfall greife ich dann halt wieder auf Rohrzucker zurück! Leider!
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Leider bin ich kein Experte fürs Kochen, ich krieg noch nicht einmal ein Spiegelei hin, aber ich habe einmal von einem Mitbruder aus Andechs gehört, dass damals die Mönche Brot nahmen, um Bier zu brauen, da das Brot gärte (oder so ähnlich). Dann hat man angeblich etwas davon als Treibmittel fürs Backen nutzen können (?) Ich habe da nur mit einem halben Ohr zugehört, da mich das Thema aus den o.g. Frustrationserlebnissen nicht wirklich tangierte. Aber so ähnlich war es zumindest im Kloster. Ich lege aber nicht meine Hand dafür ins Feuer...
*pope*
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also in der bibel wird HEFE erwähnt
also müßte sie auch in der antike schon bekannt sein
wo die römer und griechen viel wein getrunken haben.
bibeltext je nach bibel wohl:
Psalm 75:8
daher hefe als gärmittel würde ich in betracht ziehen
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Die Ägypter haben ja auch schon in der Antike Bier gebraut daher war bei ihnen die Hefe schon bekannt.
gruß Neithan
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Beim Bier brauen, ist das was anderes, da hat man soweit ich weiß keine Hefen zugefügt, sondern darauf vertraut, daß sog. Flughefen aus der Luft das Bier/Met zum gären bringen!
Beim Kuchen auf solche Hefen zu hoffen....nun ja, bevor sich da was ansetzt, winkt dir der Schimmel schon zu!!!
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Aber womit hatt man in der antike wein hergestellt?
trauben einfach liegengelassen bis sie gären?
heute wird hefe verwendet (weinhefe, auch für Met).
und die bibel berichtet auch von hefe
bleibe dabei hefe gab es schon (nicht als flughefe sondern richtig)
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Psalm 75:8? (75-8) sondern Gott ist Richter, der den einen erniedrigt, den andern erhöht.
Ich weiß ja nicht, ob ich daraus auf Hefe schließen würde, oder hab ich die falsche Stelle?
In den frühen Hochkulturen gab es mWn schon aufgegangenes Brot, allerdings wußte man dort nur, dass man eine bestimmte Masse zugeben muss. Was da genau passiert war logischerweise unbekannt. ich denke, dass aufgegangenes Brot fürs HMA unpassend ist. Selbst im Bayrischen Reinheitsgebot (!512) wird keine Hefe erwähnt.
@Gerold Was den Wein betrifft: was früher so hieß würdest du heute eher Essig nennen.... *pfeifl*
Die Argumentation mit der Antike lasse ich persönlich nicht gelten. Legionäre hatten z.B. genagelte Stiefel, um 1230 wäre das hingegen total fehl am Platz. Im SMA wären sie hingegen wieder adäquat *smoky*
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Dein Problem mit der Antike versteheich jetzt erstmal nicht, weil bist du der Meinung dass sämtliche Sachen die es in der Antike gab nochmal neu erfunden wurden? Weil dass würde deine Argumentation im Endeffekt bedeuten.
Ob der Wein damals wirklich eher nach Essig als nach Wein schmeckte sei jetzt mal dahingestellt, Fakt bleibt dass er aus Trauben gemacht wurde und alkohol enthalten war. Daher musste dieser ja auch erzeugt werden.
gruß Neithan
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Passt nicht zu Kuchen, sondern zum Wein:
Der Wein früher schmeckte eine Zeit lang schon nach Wein. Nur da die Haltbarkeitsstoffe noch nicht so ausgefeilt waren, ist er schnell durch die Gärmückchen etc. zu Essig übergegangen. Das passiert meinem Vater (als Hobbywinzer) gelegentlich heute auch noch.
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Original von Neithan
Dein Problem mit der Antike versteheich jetzt erstmal nicht, weil bist du der Meinung dass sämtliche Sachen die es in der Antike gab nochmal neu erfunden wurden? Weil dass würde deine Argumentation im Endeffekt bedeuten.
Nö, meine Argumentation bedeutet, dass es Sachen, die es in der Antike gab im Mittelalter nicht unbedingt auch noch gegeben hat und dass es daher kein Beweis ist, wenn es etwas in der Antike gab.
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An was für sachen denkst du da die es in der Antike gab und im Mittelalter nicht? Ich rede jetzt von den praktischen alltäglichen dingen und nicht von den philosophischen Schriften die verloren gegangen sind.
gruß Neithan
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Speiseeis!!!
Aber das ist nebensächlich, das Brot, wurde (auch in der Bibel) "gesäuert", also mit Sauerteig versetzt und so ging es dann auch auf. Ich glaube, das ist was Bruder Rainald meint!
Ich hab mich mal im Internet umgeschaut und da findet sich folgendes:
Es ist umstritten, ob man im Mittelalter Hefe zur Gärung zugesetzt hatte (reine Hefekulturen kann man erst seit 1881 herstellen). Wie sollte die Hefe aber sonst in das Bier gelangen? (...) Die Hefe konnte erst nach dem Abkochen mit dem Gebräu in Berührung kommen!
Vielleicht kam die Hefe durch eine im Mittelalter unabdingbare Zutat in das Bier, die Grut: Die Grut ist eine Art Instant-Mischung nach geheimer Rezeptur, die der Hausbrauer vom Gruter erwerben musste. (...) Einige der Zutaten zur Bereitung der Grut sind heute bekannt (...) In der Grut befanden sich wahrscheinlich auch Hefekulturen, wie der bisweilen benutzte lateinische Name fermentum nahelegt. Das Wort fermentum bezeichnet im Mittelalter eine Substanz, die andere Stoffe in sich selbst verwandeln kann. (...)Auch eine Hefekultur vollbringt eine solche Wandlung, deren Ursachen dem mittelalterlichen Menschen noch fremd waren.
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Original von Neithan
An was für sachen denkst du da die es in der Antike gab und im Mittelalter nicht? Ich rede jetzt von den praktischen alltäglichen dingen und nicht von den philosophischen Schriften die verloren gegangen sind.
Kanalisation, Fußbodenheizung, Demokratie, Städte mit Millionen Einwohnern, genaue Karten, aufgegangene Brote ( *jokely*), Wehrpflicht, ein rationales Rechtssystem (und ob das wichtig ist), bestimmte Arten der Panzerung, Bäder, usw. usw.
Wohl gemerkt, alles Dinge, die später wieder kamen...
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Was das Rechtssystem angeht muss ich dich leider korrigieren denn dass kirchliche Recht ist sehr rational auch das römische Kaiserrecht war im Mittelalter bekannt.
Was die Städt angeht habe ich jetzt nicht alle Zahlen im Kopf, man müsste jetzt mal wieviele Einwohner z.b. Rom hatte, dass es im deutschen Reich keine großen Städte gab lag zum einen daran dass dieses gebiet relativ dünn besiedelt war und einfach nicht genug Wirtschaftskraft da war um eine solche Ansiedlung am Leben zu halten.
Bei den Panzerungen weiss ich jetzt nicht genau welche Art der Panzerung du meinst denn Lederrüstungen und Kettenhemden gab es auch im Mittelalter.
Auch haben sich genaue Karten im Mittelalter erhalten, z.b. im Archiv von Alexandria.
Aber ich sag mal die Diskussion über Antike und Mittelalter geht jetzt an diesem Thread vorbei. Also wenn du dich über das Thema mit mir weiterdiskutieren willst schicke mir eine PN.
Aber ich denke mal dass sich diese Punkte vom ganz alltäglichen Leben schon unterscheiden und z.b. das Wissen über das Kochen und Backen von Generation zu Generation weitergegeben wurde ohne dass dies genauer festgehalten wurde.
gruß Neithan
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Dabei wollt ich doch nur nen Kuchen backen *jokely*
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Wenn ich die Kocherei richtig verstehe, unterscheidet sich die Brot von der Kuchenbäckerei nicht nur durch die Zugabe von Eiern, Butter/Rahm/Milch/Honig sondern zuvörderst durch den Ausmahlgrad des Mehles.
Daraus vermute ich, ohne dafür Belege u kennen, dass in Sachen Gebäck Kekse schon wegen der Haltbarkeit den Vorrang hatten, Torten hingegen eher die Kinder einer bereits weit fortgeschrittenen Mühlenechnologie sind.
Trockene Kekse lassen sich auch wesentlich leichter lagern- siehe Zwieback...
biedermann
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Kurz zum bibel text
habe ihn im i-net gefunden und hier in meiner eigenen
(bibel der zeugen jehovas die ich noch habe)
auch nachgesehen und dort finde ich in beiden den hinweis auf wein mit hefe
schaue aber gerne auch noch in andere online bibeln nach.
EDIT: bei einigen bibeln steht er in Vers 9 (google suche)
LINZER torte vom boden her könnte man auch benutzen auf einem MA-Markt
(bekanntlich die älteste torte ca 1653 erwähnt)
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Pax Schwestern und Büder,
ich habe heute einen Dreibänder basierend auf die Lehre von Hildegard von Bingen entdeckt, dessen
DICKSTER Teil sich mit Rezepten befasst.
(http://C:\Dokumente und Einstellungen\Administrator\Eigene Dateien\Eigene Bilder\hilde-bingen.jpg)
Anbei der Link zum Verlag
http://www.weltbild.de/artikel.php?PUBLICAID=bc7f54bae2b32e6bac568c2887ade807&artikelnummer=877008&mode=art
Gruß
Richard
PS.: Ich hab es mal kurz durchgeblättert. Die meisten Rezepte klingen schmackhafter als der Titel.
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Ich warte schon verzweifelt auf meine Neubestellund bei Amazon zur Mittelalterlichen Küche, vierlleicht ergibt sich da was Neues!!!
@Lazarus v. Akkon: Tja so geht's...vom 100sten ins 1000ste! Und keine neuen Erkenntnisse! Back bis dahin einfach Mürbeteigkuchen (Linzertorte z.B.)
@Gerolf:
Ich bezweifle mal, daß alles das was in der Bibel wörtlich erwähnt wird, auch schon wörtlich damals gbekannt war!
Also über die Jahrhunderte ist die Bibel ja immer neu übersetzt worden, und wer kann garantieren, daß das Original nicht " so schüttet den Wein aus, mitsammt dem Zeug was unten im Krug schwimmt" sagt und ein Mönch in neuerer Zeit erst erkannte, daß da nur die Hefen im Bodensatz gemeint sein konnten und obiges Zitat mit "mitsamt der Hefe" übersetzt hat????